Zusammenarbeit

Mehr erreichen durch agiles Management und teamorientierte Führung

Wie die Nutzung des kollektiven Wissens die Produktivität steigern und die Motivation des Teams erhöhen kann

Autor: Alex Samur19. März 2019Illustration von Abbey Lossing

Da Geschäftsumgebungen zunehmend verstreut und zugleich vernetzt sind, nutzen mehr Unternehmen teamorientierte Führungsansätze statt hierarchischer Führungsmodelle. Fakt ist, dass 51 % der Befragten in einer Deloitte-Umfrage aus 2018 die „Mitwirkung der Unternehmensleitung“ als sehr wichtig eingestuft haben.

Zudem glaubt laut eines American Express-Berichts ein Drittel der Millennials, dass innerhalb der nächsten 10 Jahre „die Rolle des CEO in ihrer aktuellen Form nicht mehr relevant sein wird“. Eine Umfrage von Virtuali und WorkplaceTrends.com hat ergeben, dass fast die Hälfte der Millennials Führung als Möglichkeit sehen, andere zu unterstützen.

Schließlich fühlt sich eine Mehrheit der Millennial-Generation – die bestens aufgestellt ist, die Industrie 4.0 maßgeblich mitzubestimmen – mit Top-Down-Führungsrollen nicht wohl. Stattdessen flacht diese neue Generation von Führungspersönlichkeiten vertikale Strukturen ab und ist wie eine Ameisenkolonie organisiert, um Zusammenarbeit, Agilität und kollektive Intelligenz zu verbessern.

Was ist teamorientierte Führung?

Teamorientierte Führung ist eine Management-Methode, die darauf abzielt, Führungskräfte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus ihren Silos zu holen, damit sie zusammenarbeiten. An teamorientierten Arbeitsplätzen werden Informationen organisch geteilt und alle sind verantwortlich. Dies weicht von traditionellen Top-Down-Organisationsmodellen ab, bei denen eine kleine Gruppe von Führungskräften den Informationsfluss steuert.

Teamorientierte Führungskräfte holen laut Harvard Business Review regelmäßig unterschiedliche Meinungen und Ideen bei Kolleginnen und Kollegen ein, um Strategien zu entwickeln und Probleme zu lösen. Folglich sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagierter, fühlen sich involviert und übernehmen eher die Verantwortung für ihre Arbeit.

Durch teamorientierte Führung können Führungskräfte eine partnerschaftliche Umgebung schaffen, die in Projekt-Teams Energie freisetzt, die Kreativität fördert und für eine Arbeitskultur sorgt, die produktiv und angenehm ist.

Wie teamorientierte Führung gelingt

Die Entscheidung, Anweisungen und Kontrolle hinter sich zu lassen, ist ein wichtiger erster Schritt. Dies erfordert jedoch einigen Aufwand und eine gewisse Planung. Hier sind einige Strategien, die für Unternehmen beim Wechsel hin zu einem agileren Management funktioniert haben.

1.   Legt ein gemeinsames Ziel fest

Zu den Grundvoraussetzungen für eine teamorientierte Zusammenarbeit gehört ein klarer, überzeugender Zweck für die Veränderung, so Michelle Chambers, Leadership Expert bei Chambers & Associates, einer Beratungsfirma im Bereich Organisationsentwicklung. Sie ist der Meinung, dass es ein Hindernis sein kann, keine klaren Ziele mit einem übergeordneten Zweck zu haben.

Chambers zitiert das Gesundheitswesen als Beispiel. Manche Patientinnen und Patienten werden von einem Spezialisten oder einer Spezialistin zum oder zur Nächsten geschickt – eine Erfahrung, die leicht in Stress münden kann , zumal sie nie den kompletten Überblick über ihren Therapie- oder Pflegeplan haben. Wenn sich medizinische Teams auf die Zusammenarbeit konzentrieren, können die Team-Mitglieder so neu organisiert werden, dass der Fokus auf den Patientinnen und Patienten und nicht auf den Fähigkeiten und der Spezialisierung von Einzelpersonen liegt.

Beispiel: Die Cleveland Clinic, eines der größten gemeinnützigen Gesundheitszentren in den USA, hat 2007 ein neues Therapie- bzw. Pflegemodell implementiert, um die Zusammenarbeit zu verbessern. Das neue Modell hat zu mehr Qualität, Effizienz und positiveren Patientenerfahrungen geführt.

Im Rahmen des neuen Ansatzes legte die Klinik den Fokus auf die Verbesserung der Beziehungen. Nun wurden nicht nur die Ärztinnen und Ärzte, sondern alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – als Bezugspersonen betrachtet. Dies unterschied sie von anderen Krankenhäusern, in denen die Hauptbeziehung die zwischen Arzt und Patient war.

2.   Fördere offene Kommunikation

Offene Kommunikation ist in einem Unternehmen für die Zusammenarbeit wesentlich. Vermittele deinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zunächst die für die Zusammenarbeit wesentlichen Werte, z. B. gegenseitige Wertschätzung und zielgerichtete Gespräche. Lebe dieses Verhalten dann vor, sodass es sich langfristig durchsetzen kann.

Beispiel: Bei Pixar Animation Studios hat die Stärkung der Community dazu beigetragen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gruppenübergreifend und offen Ideen austauschen. „Alle sollten in der Lage sein, jederzeit mit allen Kolleginnen und Kollegen sprechen zu können – unabhängig von der jeweiligen Position und ohne negative Folgen fürchten zu müssen“, schreibt Mitbegründer Ed Catmull in seinem bekannten Buch „Die Kreativitäts-AG“.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden ermutigt, mit anderen zusammenzuarbeiten, um Feedback oder Ideen zu teilen, ohne einer formalen Befehlskette folgen zu müssen. Pixar hat ferner die Zusammenarbeit zwischen Projekt-Teams durch ein Bürogebäude gefördert, das zentrale Arbeitsbereiche für persönliche Interaktionen bietet.

3.  Fördere Kooperationsfähigkeiten

Der Grund, warum der Aufbau teamorientierter Unternehmen trotz guter Absichten oft fehlschlägt, ist zum Teil der Mangel an Kooperationsfähigkeit, so Gervase Bushe, Professor of Leadership and Organizational Development an der Beedie School of Business der Simon Fraser University.

Das mag zwar sehr gefühlsbetont klingen, aber ein zentraler Bestandteil der Entwicklung von Kooperationsfähigkeiten in Projekt-Teams ist das Bewusstsein, dass jede Person andere Erfahrungen gemacht hat – und dass alle diese Erfahrungen ihre Berechtigung haben. Wenn Führungskräfte eine Beziehung zu ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufbauen möchten, dürfen sie ihre Position nicht missbrauchen. Dabei gilt es auch zu vermeiden, die Erfahrung eines Mitarbeiters bzw. einer Mitarbeiterin als indiskutabel, falsch oder unangenehm zu kommunizieren erscheinen zu lassen. Andernfalls kann keine Partnerschaft zustande kommen.

Beispiel: Palomar Health, ein Gesundheitsdienstleister mit Sitz in Südkalifornien, stellte fest, dass Entscheidungsfindung und Konfliktbewältigung nicht effektiv waren. Durch den Erwerb von Kooperationsfähigkeiten im Unternehmen und neue Verhaltensweisen der Führungskräfte verbesserte Palomar die Zusammenarbeit und legte den Fokus auf die Verbesserung der Kundenerfahrung.

4.   Verschwende keine Zeit

„Teil der Herausforderung bei der Zusammenarbeit ist, dass sie chaotisch und komplex ist und daher sehr zeitaufwändig sein kann“, so Michael Lee, Co-Instructor eines Collaborative Leadership Program in Harvard. Agiles Management bedeutet aber nicht, dass man die gesamte Organisationsstruktur ändern muss, sagt Lee.

Stattdessen rät er: „Es ist hilfreich, sich als Führungspersönlichkeit alle Möglichkeiten zu überlegen, Techniken der kollaborativen Führung in das Projekt-Team und das Unternehmen einzubringen.“ Unabhängig davon, welche Ansätze für die teamorientierte Führung du nutzt, ist die effiziente Integration in Workflows unerlässlich. Es ist unwahrscheinlicher, dass Führungskräfte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter teamorientiert arbeiten, wenn sie die zusätzlichen Aufgaben – und den damit verbundenen Mehraufwand – als Stress empfinden

Beispiel: Als der Lyft Business-Geschäftsbereich der Mitfahr-App gewachsen ist, konnten traditionelle Apps für Dokumentfreigabe, E-Mail und Messaging nicht Schritt halten. Benjamin Sternsmith, Area Vice President of Sales, hat die Notwendigkeit von Kommunikations-Tools gesehen, die die Zusammenarbeit in Echtzeit und Transparenz in der Organisation verbessern, statt sie zu beeinträchtigen. „Wenn die Zusammenarbeit über ein zentrales Tool erfolgt, müssen Führungskräfte bei E-Mails nicht auf CC gesetzt werden“, erläuterte Sternsmith.

5.   Gestehe Schwächen ein

„Teamorientierte Führung erfordert, dass eine Führungskraft etwas von sich preisgibt und sich auch verletzlich zeigt“, so Dr. Jerry VanVactor, Health Care Administrator im aktiven Dienst im Medical Service Corps der U.S. Army. „Wenn die betreffende Führungskraft teamorientiert arbeitet, kommuniziert sie im Grunde: ‚Ich habe nicht alle Antworten und brauche Hilfe‘.“

Durch die Einbeziehung weiterer Personen und Perspektiven bei der Ermittlung von Problemen und der Entwicklung von Lösungen können Führungskräfte bessere Ergebnisse erzielen. VanVactor weist jedoch darauf hin, dass Führungskräfte darauf vorbereitet sein müssen, dass ihre Ideen eventuell nicht die besten sind. Echte Zusammenarbeit beinhaltet die Bereitschaft, das eigene Ego außen vor zu lassen, sich die Ideen anderer anzuhören und diese einzubeziehen.

Mit agilem Management sicher in die Zukunft blicken

Schließlich sollten Unternehmen Hierarchien zugunsten eines teamorientierteren Organisationsansatzes abbauen, insbesondere auf der Führungsebene. Zukunftsorientierte Unternehmen, Firmen und Communitys, die offen für agiles Management und somit für positive Veränderungen sind, fokussieren sich eher auf Führungsmethoden, die weniger auf Anweisungen basieren. Dies inspiriert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sich auf neue und andere Art und Weise zu engagieren, sowohl bei der Arbeit als auch bei der Interaktion miteinander.

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